Kaum ein Rückruf betraf so viele unterschiedliche Mercedes-Baureihen gleichzeitig: Von der A-Klasse bis zur S-Klasse, vom Sprinter bis zur V-Klasse – laut KBA über 118.000 Fahrzeuge allein in Deutschland. Grund war ein defekter Dichtring am Kettenspanner des OM651-Diesels. Wer heute einen gebrauchten Mercedes-Diesel dieser Generation kauft, sollte wissen, worauf es ankommt.

Inhalt

  1. Was ist der OM651?
  2. Welche Modelle sind betroffen?
  3. Das Problem: Kettenspanner-Dichtring
  4. Offizielle Rückrufe laut KBA
  5. Die Infiniti-Verbindung
  6. So prüfst du den Rückrufstatus
  7. Warnzeichen bei Besichtigung
  8. Lohnt sich der Kauf trotzdem?
  9. Checkliste für die Besichtigung
  10. Häufig gestellte Fragen

Was ist der OM651?

Der OM651 ist Mercedes' 2,1-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor, der ab 2008 nach und nach praktisch die gesamte damalige Vierzylinder-Diesel-Flotte des Konzerns ersetzte – von der Kompaktklasse bis zur S-Klasse. Er gilt technisch als solide und sparsam, wurde aber durch eine bestimmte Bauteil-Charge im Kettenspanner zum Gegenstand eines der größten Einzelrückrufe in der jüngeren Mercedes-Geschichte.

Welche Modelle sind betroffen?

KategorieModelle
Kompakt-/MittelklasseA-Klasse, B-Klasse, C-Klasse, CLA-Klasse
Ober-/SportklasseE-Klasse, CLS-Klasse, S-Klasse, SLK-Klasse
SUVGLA-Klasse, GLK-Klasse, GL-Klasse, ML-Klasse
NutzfahrzeugeSprinter, Vito, Viano, V-Klasse

Betroffen sind konkret Fahrzeuge, die im Produktionszeitraum Februar bis November 2014 einen Kettenspanner mit der fehlerhaften Bauteil-Charge erhalten haben – bei manchen Modellen reicht das rückwirkend bis Baujahr 2008, falls im Rahmen einer früheren Reparatur ein betroffener Austauschmotor oder -Kettenspanner verbaut wurde.

Das Problem: Kettenspanner-Dichtring

Ein fehlerhafter Dichtring am Kettenspanner konnte dazu führen, dass Motoröl austritt. Zwei mögliche Folgen:

⚠ Kein Wartungsthema, sondern ein Bauteilfehler

Anders als bei PureTech oder K9K handelt es sich hier nicht um ein Verschleißthema, das durch rechtzeitigen Wechsel vermeidbar ist, sondern um eine fehlerhafte Bauteil-Charge. Die einzig zuverlässige Absicherung ist die Prüfung, ob die Rückrufreparatur bereits durchgeführt wurde.

Offizielle Rückrufe laut KBA

Aus dem KBA-Rückrufregister (Stand: 31.07.2026):

RückrufcodeFahrzeugkategorieBetroffen in DE
0593003A-/B-/C-/CLA-/CLS-/E-/GL-/GLA-/GLK-/ML-/S-/SLK-Klasse71.107
NC3KETTENS / V2KETTENSSprinter, Vito, Viano, V-Klasse47.757

In Summe über 118.800 offiziell zurückgerufene Fahrzeuge allein in Deutschland – eine der größten Einzelrückrufaktionen von Mercedes-Benz in diesem Jahrzehnt.

Die Infiniti-Verbindung

Weniger bekannt: Auch Infiniti Q50 und Q70 tauchen im KBA-Register unter einem verwandten Rückrufcode mit exakt demselben Mangel auf (Ref. R1503) – allerdings nur mit einer kleinen zweistelligen Fahrzeugzahl in Deutschland, da Infiniti hierzulande ein Nischenimporteur war. Hintergrund: Infiniti nutzte für den Q30/QX30 direkt die Mercedes-MFA-Plattform samt Motoren, keine lose Kooperation, sondern nahezu identische Technik.

So prüfst du den Rückrufstatus

Vor dem Kauf lässt sich der Rückrufstatus eines konkreten Fahrzeugs unkompliziert online prüfen:

  1. Fahrgestellnummer (FIN, 17-stellig) des Wunschfahrzeugs besorgen – steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I, im Fahrzeugschein oder auf dem Typenschild im Türrahmen.
  2. Auf mercedes-benz.de/passengercars/services/recall.html die FIN eingeben.
  3. Das Tool zeigt an, ob offene Rückruf- oder Serviceaktionen für dieses konkrete Fahrzeug vorliegen.
✓ Reparatur bleibt kostenlos

Auch Jahre später ist die Rückrufreparatur bei einem Mercedes-Vertragspartner kostenlos nachholbar – unabhängig vom Fahrzeugalter oder davon, ob du Erst- oder Zweitbesitzer bist. Ein offener Rückruf ist also kein Kaufhindernis, aber ein legitimes Verhandlungsargument.

Warnzeichen bei Besichtigung

Lohnt sich der Kauf trotzdem?

Ja, uneingeschränkt – vorausgesetzt, der Rückrufstatus ist geklärt. Der OM651 gilt außerhalb dieses spezifischen Bauteilfehlers als robuster, gut dokumentierter Motor mit breiter Ersatzteilversorgung. Entscheidend:

  1. FIN-Abfrage vor dem Kauf, nicht erst danach.
  2. Bei offenem Rückruf: entweder auf die kostenlose Nachrüstung beim Vertragspartner bestehen, oder den Kaufpreis entsprechend verhandeln.
  3. Wartungshistorie generell prüfen, unabhängig vom Rückrufthema.

Checkliste für die Besichtigung

Häufig gestellte Fragen

Sind alle Mercedes-Diesel dieser Baujahre betroffen?

Betroffen sind Fahrzeuge mit OM651-Motor, die im Produktionszeitraum Februar bis November 2014 einen Kettenspanner mit fehlerhaftem Dichtring erhalten haben – das schließt auch Fahrzeuge mit früherem Baujahr ein, falls im Rahmen einer Reparatur ein betroffener Austauschmotor oder -Kettenspanner verbaut wurde. Der sicherste Weg ist die FIN-Abfrage im offiziellen Mercedes-Rückruftool.

Wie finde ich heraus, ob ein konkretes Fahrzeug den Rückruf schon hatte?

Über das offizielle Mercedes-Benz-Rückruftool auf mercedes-benz.de/passengercars/services/recall.html mit der 17-stelligen Fahrgestellnummer (FIN). Das Tool zeigt an, ob offene Rückrufaktionen für das konkrete Fahrzeug vorliegen.

Was, wenn der Rückruf beim Vorbesitzer nicht durchgeführt wurde?

Die Reparatur ist für den Halter kostenlos bei einem Mercedes-Vertragspartner nachholbar, unabhängig vom Fahrzeugalter oder davon, ob du der Erst- oder Zweitbesitzer bist. Vor dem Kauf lohnt sich trotzdem die Prüfung, da ein offener Rückruf ein legitimes Verhandlungsargument ist.

Betrifft das Problem auch andere Marken?

Ja, in kleinem Umfang: Der Infiniti Q50 und Q70 nutzen eine direkt von Mercedes übernommene Motor- und Plattformtechnik und waren mit einer sehr kleinen Stückzahl ebenfalls von einem verwandten Rückrufcode betroffen.

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