Der 1,0- bis 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner PureTech steckt in fast jedem Kleinwagen und Kompakt-SUV von Peugeot, Citroën, Opel und DS der letzten anderthalb Jahrzehnte. Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind allein in Deutschland über 120.000 Fahrzeuge von einem Konstruktionsproblem am Zahnriemen betroffen – wer eines dieser Modelle gebraucht kauft, sollte genau wissen, worauf zu achten ist.
Inhalt
Was ist der PureTech-Motor?
PureTech ist die Marketingbezeichnung für die Dreizylinder-Turbobenziner (intern Motorencode EB), die der PSA-Konzern – heute Teil von Stellantis – seit 2012 markenübergreifend einsetzt. Je nach Modell und Leistungsstufe leistet der Motor zwischen 82 und 155 PS und findet sich unter unterschiedlichen Namen in nahezu jedem Kleinwagen und Kompakt-SUV von Peugeot, Citroën, Opel und DS.
Technisch besonders: Bei den ersten Motorengenerationen läuft der Zahnriemen für den Ventiltrieb nicht trocken, sondern im Ölbad – eine damals als wartungsarm beworbene Konstruktion, die sich in der Praxis als größte Schwachstelle der gesamten Motorenfamilie herausstellte.
Welche Modelle sind betroffen?
Auf Basis der offiziellen KBA-Rückrufe lassen sich die betroffenen Modelle in zwei Wellen einteilen:
| Marke | Modelle | Produktionszeitraum |
|---|---|---|
| Peugeot | 208, 2008, 308, 3008, 5008, Partner | 2013–2020 |
| Citroën | C3, C3 Aircross, C4, C4 Cactus, C4 Picasso, Berlingo | 2013–2020 |
| DS | DS3, DS4 | 2013–2018 |
| Opel | Crossland X, Grandland X | 2017–2018 |
Diese neueren Opel-Modelle nutzen ebenfalls PureTech-Motoren (Motorcode EB2FA) und werden in verschiedenen freien Quellen mit demselben Zahnriemen-Thema in Verbindung gebracht. In der offiziellen KBA-Rückrufdatenbank findet sich für diese drei Modelle jedoch kein Rückruf mit exakt dieser Mangelbezeichnung – bei ihnen ist bislang nur ein Rückruf wegen überhöhter Abgaswerte (HC-Grenzwert) dokumentiert. Bei Interesse an einem dieser Modelle empfiehlt sich eine gezielte KBA-Rückrufabfrage über die Fahrgestellnummer vor dem Kauf.
Das Kernproblem: Zahnriemen im Ölbad
Bei den betroffenen Motorgenerationen verschleißt der im Öl laufende Zahnriemen schneller als vorgesehen und löst dabei feine Gummi- und Faserpartikel ab. Diese Partikel setzen sich im Ölkreislauf fest und können:
- die Ölpumpe verstopfen und den Öldruck einbrechen lassen,
- die Vakuumpumpe der Bremsanlage blockieren – spürbar als deutlich schwergängiges Bremspedal,
- Nockenwellen- und Ventilsteuerung durch Ablagerungen beeinträchtigen.
Im schlimmsten Fall reißt der Riemen komplett, was zu einem Totalschaden führen kann. Betroffen sind vor allem Fahrzeuge mit hohem Kurzstreckenanteil und unregelmäßigen Ölwechseln – die Konstruktionsschwäche selbst besteht aber unabhängig vom Nutzerverhalten.
Mit der dritten PureTech-Motorengeneration wechselte Stellantis vom Ölbad-Zahnriemen zu einer klassischen Steuerkette. Diese Motoren gelten als deutlich unproblematischer – bei Gebrauchtkauf lohnt sich ein gezielter Blick auf Motorcode und exaktes Produktionsdatum, nicht nur auf das Modelljahr.
Offizielle Rückrufe laut KBA
Die folgenden Zahlen stammen direkt aus dem KBA-Rückrufregister (Stand: 31.07.2026) und sind damit belastbarer als pauschale Schätzungen. Zwei Rückrufwellen sind für Gebrauchtkäufer relevant:
| Rückrufcode | Marken/Modelle | Mangel | Betroffen in DE |
|---|---|---|---|
| JZR | Peugeot 208, 2008, 308, 3008, 5008, Partner (2013–2017) | Abriebpartikel des Zahnriemens beeinträchtigen die Vakuumpumpe der Bremsanlage | 31.365 |
| HFC | Citroën/DS C3, C4, C4 Cactus, C4 Picasso, Berlingo, DS3, DS4 (2013–2017) | Identischer Mangel wie JZR | 14.963 |
| KGG/KGH | Peugeot 208, 2008, 308, 3008, 5008, Partner (2017–2020) | Fehlende Warnung vor möglichem Bremskraftverlust durch schlechte Ölqualität | 24.441 |
| HUZ/HLX | Citroën/DS C3, C4, C3 Aircross, C4 Cactus, C4 Picasso, Berlingo, DS3, DS4 (2017–2020) | Identischer Mangel wie KGG/KGH | 21.570 |
| O3A | Opel Crossland X, Grandland X (2017–2018) | Identischer Mangel wie KGG/KGH | 30.378 |
In Summe ergibt das über 122.000 offiziell zurückgerufene Fahrzeuge allein in Deutschland. Als Reaktion verlängerte Stellantis die Garantie auf den Zahnriemen bei betroffenen Motoren auf 10 Jahre bzw. 180.000 Kilometer – deutlich über die reguläre Werksgarantie hinaus.
Ein Fahrzeug innerhalb dieses Zeitfensters kann im Schadensfall unter Umständen noch kostenlos repariert werden – vorausgesetzt, die Wartungshistorie ist lückenlos und die vorgeschriebenen Ölwechselintervalle (meist alle 60.000 km bzw. 5 Jahre) wurden eingehalten. Nachfragen lohnt sich ausdrücklich, viele Verkäufer und selbst manche Werkstätten kennen diese Garantieverlängerung nicht.
Warnzeichen bei Besichtigung und Probefahrt
- Bremspedal-Test bei stehendem Motor: Mehrfach betätigen – wird es spürbar schwergängiger, deutet das auf eine beeinträchtigte Vakuumpumpe hin.
- Kaltstart beobachten: Ungewöhnliche Laufgeräusche oder ein kurzzeitig raueres Motorlaufverhalten direkt nach dem Start ernst nehmen.
- Ölstand und Ölqualität prüfen: Milchige oder ungewöhnlich dunkle Verfärbung kann auf Riemenpartikel im Ölkreislauf hindeuten.
- Serviceheft auf lückenlose Ölwechsel prüfen: Bei diesem Motor die wichtigste Einzelmaßnahme gegen einen vorzeitigen Riemenschaden.
- Motorcode und Produktionsdatum abgleichen: Zuverlässigste Methode, um Ölbad-Generation und kettenbetriebene Generation zu unterscheiden.
Was kostet ein Zahnriemenwechsel?
Außerhalb der Garantie bewegen sich die Kosten für einen vorsorglichen oder reparativen Zahnriemenwechsel (inkl. Wasserpumpe, Ölsieb, Spannrollen) je nach Werkstatt meist im folgenden Rahmen:
| Reparatur/Wartung | Kostenrahmen | Anlass |
|---|---|---|
| Zahnriemenwechsel (vorsorglich) | 800–1.100 € | Präventiv bei fehlender Historie oder auslaufender Garantie |
| Reparatur nach Riemenschaden ohne Folgeschäden | 1.000–1.800 € | Bei rechtzeitig erkanntem Verschleiß |
| Motorschaden nach Riemenriss (Ventile/Kolben) | 3.000 € bis wirtschaftlicher Totalschaden | Bei zu spät erkanntem oder ignoriertem Warnsignal |
Lohnt sich der Kauf trotzdem?
Ja – mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen. Das PureTech-Problem ist ein bekanntes, amtlich dokumentiertes Konstruktionsthema, kein Grund, die betroffenen Modelle pauschal zu meiden. Entscheidend ist:
- Baujahr und Motorgeneration genau prüfen – neuere Kettenmotoren gelten als unproblematisch.
- Lückenlose Wartungshistorie verlangen, insbesondere die Ölwechselintervalle.
- Garantiestatus abfragen – innerhalb der 10-Jahres-/180.000-km-Frist ist ein Schaden oft noch abgedeckt.
- Preis entsprechend verhandeln, wenn die Historie lückenhaft ist oder die Garantiefrist bald ausläuft – ein Abschlag in Höhe eines möglichen Riemenwechsels ist ein legitimes Argument.
Checkliste für die Besichtigung
- Fahrzeug beim Kaltstart erleben, nicht vorgewärmt vorfahren lassen
- Bremspedal mehrfach bei stehendem Motor betätigen
- Ölstand und Ölfarbe prüfen
- Serviceheft auf lückenlose Ölwechselintervalle prüfen
- Motorcode mit Produktionsdatum abgleichen
- Garantiestatus (10 Jahre/180.000 km) beim Verkäufer aktiv erfragen
- Bei Unsicherheit: KBA-Rückrufabfrage über die Fahrgestellnummer
- Bei fehlender Historie: Preisabschlag in Höhe eines Riemenwechsels verhandeln
Häufig gestellte Fragen
Sind alle PureTech-Motoren betroffen?
Nein. Laut KBA-Rückrufen betrifft der Zahnriemen-im-Öl-Defekt vor allem Peugeot-, Citroën- und DS-Modelle der Produktionsjahre 2013–2017 sowie eine Folge-Rückrufwelle 2017–2020, die zusätzlich Opel Crossland X und Grandland X einschließt. Die dritte PureTech-Motorengeneration mit Steuerkette statt Ölbad-Zahnriemen gilt als unproblematisch.
Wie erkenne ich, welche Generation verbaut ist?
Am zuverlässigsten über Motorcode und exaktes Produktionsdatum aus den Fahrzeugpapieren, bei einer markenspezifischen Werkstatt oder per KBA-Rückrufabfrage über die Fahrgestellnummer.
Ist der Kauf sicher, wenn die Garantie schon abgelaufen ist?
Ja, sofern die Wartungshistorie lückenlos ist und die Ölwechselintervalle eingehalten wurden. Bei Unsicherheit ist ein vorsorglicher Riemenwechsel eine kalkulierbare Investition.
Betrifft das Problem auch Dieselmotoren der gleichen Marken?
Nein. Die BlueHDi-Dieselmotoren von PSA/Stellantis nutzen eine andere Konstruktion und sind von diesem Zahnriemen-Thema nicht betroffen.
PureTech-Modell im Auge?
Lass das konkrete Inserat von Plausio analysieren – inklusive Preisfairness-Check und modellspezifischer Checkliste für genau diese Variante.
Jetzt Inserat analysieren →